Warum du negative Gedanken nicht loswerden musst

Vor allem in der spirituellen Szene haben viele Menschen den Verstand zum Feind erklärt. Sie glauben, wir müssten unser Ego transzendieren und den Verstand ausschalten, um Glückseligkeit im Hier und Jetzt erfahren zu können.

Vor allem in spirituellen Kreisen, aber auch im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, hört und liest man ständig Aussagen wie:

  • Dein größter Feind sind deine eigenen Gedanken.
  • Der Verstand ist ein wild gewordener Affe, du musst ihn zähmen.
  • Glaube keinem deiner Gedanken.
  • Der Verstand holt dich aus dem gegenwärtigen Moment.
  • Töte deine negativen Gedanken. (Das las ich vor Kurzem tatsächlich in einem Blog-Beitrag)

Solche Aussagen führen dazu, dass wir unseren eigenen Verstand für einen Feind halten, der uns absichtlich schaden möchte. Wenn das stimmt, befände sich unser größter Feind in uns selbst und wir könnten ihm nie entkommen, sondern ihn höchstens durch disziplinierte spirituelle Arbeit zum Schweigen bringen.

Warum du negative Gedanken nicht bekämpfen brauchst

Photo by Allef Vinicius

Durch eine solche Perspektive verstärken wir die innere Fragmentierung und damit unser Leiden. Wir spalten einen wichtigen Teil unseres Selbst ab und erklären ihn zum Feind. Oft behandeln wir unseren Verstand und negative Gedanken so, wie wir früher bei unerwünschtem Verhalten behandelt wurden und wiederholen so das Trauma.

Doch unsere Gedanken, auch die negativen, sind Teile unseres Selbst. Wenn wir sie mit einer feindseligen Haltung ausmerzen wollen, ist das pure Selbstverletzung. Wir können stattdessen mit ihnen arbeiten, statt gegen sie.

Wie alle Teile unseres Selbst will auch der Verstand nur unser Bestes. Er sehnt sich genauso wie wir nach einem erfüllten, glückseligen und sicheren Leben. Er ist kein bösartiger Antagonist, dessen einziges Ziel es ist, unser Glück zu verhindern.

Allerdings sind die Methoden des Verstandes nicht immer hilfreich, denn wir haben sie meist bereits in unserer Kindheit entwickelt. Der Verstand hält weiterhin daran fest, auch wenn sie in der heutigen Zeit mehr schaden, als dass sie nutzen. Schließlich haben sie bis hierher unser Überleben gesichert.

Warum negative Gedanken gut sind

Negative Gedanken repräsentieren Aspekte deines Selbst, die gehört und gefühlt werden wollen. Sie haben eine wichtige Botschaft für dich und können einen entscheidenden Beitrag zu deinem persönlichen Wachstum leisten. Deswegen ist es sinnvoll, sie als etwas Positives zu betrachten, anstatt sie abzulehnen, zu ignorieren oder gar vernichten zu wollen.

Wahrscheinlich ist die Perspektive, dass negative Gedanken gut sind, sehr ungewohnt für dich. Doch wir können alles in diesem Universum mit einem positiven Fokus betrachten. Dadurch verringert sich unser Widerstand gegen diese Sache, in diesem Fall gegen unsere negative Gedanken. Solange wir im Widerstand sind, halten wir unbewusst an exzessivem Denken und negativen Gedanken fest. Dadurch werden sie immer stärker. Erst wenn du den Widerstand aufgibst, kannst du loslassen und dein Verhalten ändern.

Es gibt viele Gründe, warum negative Gedanken gut sind. Das sind meiner Meinung nach die wichtigsten:

  1. Ohne negativen Gedanken gäbe es keinen Fortschritt: Wenn wir die ganze Zeit nur positive Gedanken und einen positiven Fokus hätten, würden wir uns selbst und die Welt nicht verändern wollen. Es gäbe einen Stillstand, denn wir wären rundum glücklich, müssten nichts an der Realität ändern und uns nicht weiterentwickeln. Das ist sicher nicht der Grund, warum sich unsere Seelen für diese Inkarnation entschieden haben.
  2. Negative Gedanken führen zur Selbsterkenntnis: Negative Gedanken können so schmerzhaft sein, dass sie dich dazu zwingen, aus der Identifikation mit deinen Gedanken auszusteigen. Genauso wie wir irgendwann die Hand vor Schmerz wegziehen, wenn diese auf einer immer heißer werdenden Herdplatte liegt, so steigen wir auch irgendwann aus der Identifikation mit unseren negativen Gedanken aus, wenn diese zu schmerzhaft werden. Negatives und exzessives Denken hat schon viele Menschen zur Erleuchtung geführt.
  3. Negative Gedanken führen zu unangenehmen Emotionen, die erlöst werden wollen. Diese Emotionen existieren in unserem Unterbewusstsein und belasten uns die ganz Zeit unterschwellig. Wir bekommen das meist kaum mit, doch sie kosten uns eine Menge Energie. Wenn schmerzhafte Gefühle durch negatives Denken getriggert werden, ist das die perfekte Gelegenheit, sie nachhaltig aufzulösen und aus unserem System zu befreien. Dann halten wir nicht länger unbewusst an ihnen fest und können ein erfüllteres Leben mit deutlich mehr Energie führen. Effektive Methoden zum Auflösen lange angestauter Emotionen sind beispielsweise der Completion Process von Teal Swan* oder Matrix Re-imprinting*.
Negative Gedanken liebevoll stoppen und ändern

Photo by Maria Victoria Heredia Reyes

Wie du dich liebevoll um deinen Verstand kümmerst

Wenn du deine negativen Gedanken langfristig transformieren möchtest, solltest du dich ihrer annehmen, anstatt sie von dir zu stoßen. Du kannst negative Gedanken als einen Hilfeschrei innerer Kinder sehen, die dein Mitgefühl und deine Liebe brauchen und verdienen. Denn sie leiden unter falschen Glaubenssätzen.

Wenn du deinen Verstand und deine Gedanken ignorierst, sie verurteilst oder zurückweist, wiederholst du die Erfahrungen, die du bereits in deiner Kindheit gemacht hast. Du kannst dich jetzt für eine neue Erfahrung entscheiden, indem du deine Gedanken, Sorgen und Ängste ernst nimmst und dich liebevoll um sie kümmerst.

Dann triffst du eine bewusste, erwachsene Entscheidung, niemanden mehr in dir zurückzuweisen und allein zu lassen. Dadurch verändert sich auch dein Anziehungspunkt. Denn so wie du dich selbst behandelst, wirst du auch von anderen Menschen behandelt werden. Aufgrund des Gesetzes der Anziehung ziehen wir die Menschen in unser Leben, die uns unser eigenes Verhalten exakt spiegeln.

Wenn du dich das nächste Mal in negativen Gedanken verlierst, dann probiere die folgenden Schritte aus, um dich dich deinem Verstand liebevoll zu nähren und dadurch deine negativen Gedanken zu transformieren:

  1. Bewusstheit: Mache dir bewusst, was genau gerade in deinem Kopf vor sich geht und worauf du deine Aufmerksamkeit richtest. Nimm eine beobachtende Perspektive ein und registriere wertungsfrei, was dein Verstand gerade denkt.
  2. Selbstmitgefühl: Habe Mitgefühl mit deinem Verstand und versuche zu verstehen, warum er diese Gedanken hat. Erkenne die liebevolle Absicht deines Verstandes, der dich vor Leid bewahren und dein Überleben sichern möchte. Selbst wenn du gerade sehr ablehnende und selbstkritische Gedanken hast, möchte dein Verstand dich damit schützen. Er glaubt, er könne dich so vor der Kritik anderer bewahren, indem er dich auf deine vermeintlichen Fehler und Mängel aufmerksam macht.
  3. Validieren: Signalisiere deinem Verstand, dass seine Gedanken nachvollziehbar sind. Das bedeutet nicht, dass sie faktisch wahr sind. Jedoch ist es nachvollziehbar, dass dein Verstand aufgrund deiner Erziehung und Sozialisierung zu solchen Schlüssen gekommen ist.
  4. Umdenken: Nun kannst du deinem Verstand dabei helfen, neue, bessere Gedanken zu formulieren und den negativen Gedankenstrom zu unterbrechen. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Methoden. Meine Anleitung zum Umwandeln negativer Gedanken in hilfreiche, ermächtigende Glaubenssätze kannst du dir hier herunterladen.

Die ersten drei Schritte sind sehr wichtig, wenn du langfristig aus dem negativen Gedankenkarussell aussteigen möchtest. Bringe deinem Verstand erst Verständnis, Wertschätzung und Mitgefühl entgegen, bevor du versuchst, ihn zu verändern.

Fazit

Dem Verstand bzw. negativen Gedanken mit einer ablehnenden oder gar aggressiven Haltung zu begegnen, ist wenig hilfreich. Leider passiert das vor allem in spirituellen Kreisen sehr häufig. Wir haben gelernt, unseren Verstand als Feind und negative Gedanken als etwas Schlechtes zu betrachten. Das Ziel vieler spiritueller Techniken ist es, negative Gedanken um jeden Preis loszuwerden.

Wenn du eine neue Perspektive einnimmst und deine Gedanken als die Stimme innerer Kinder wahrnimmst, die mit gutem Grund zu dir sprechen, kannst du diese ablehnende Haltung transformieren und liebevoller mit deinem Verstand und deinen Gedanken umgehen. Du kannst zu einem neutralen Beobachter werden, der die Existenz negativer Gedanken akzeptiert, ohne sich darin zu verlieren.

Dein Verstand sehnt sich genau wie du nach einem erfüllten, befreiten und vor allem sicheren Leben. Wenn du deinen negativen Gedanken mit der Liebe und dem Mitgefühl begegnest, die sie verdienen, kannst du sie nachhaltig transformieren, ohne dich dabei selbst zu verletzen.

Niemand möchte falsch gemacht, verändert oder gar eliminiert werden, auch der Verstand oder negative Gedanken nicht. Ebenso gilt auch hier die spirituelle Gesetzmäßigkeit: Was du bekämpfst, machst du stark.

Wenn du deinem Verstand dagegen mit Verständnis, Mitgefühl und Liebe begegnest, kannst du ihm bessere Strategien zeigen, seine Bedürfnisse nach Sicherheit, Überleben und Glück zu erfüllen.

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1 Kommentare

  1. Richard Vogel

    Inhaltlich finde ich es schade, dass gerade Eckhart Tolle gleich im ersten Satz als Schuldiger erscheint. Die Autorin zeigt aus meiner Sicht offensichtliche Schwächen, was dann viele Menschen tatsächlich verunsichern dürfte. Besonders in der Unkenntnis der Lehre von Eckhart Tolle und in der oberflächlichen Passage, wonach negative Gedanke „gut“ seien. Die Punkte 1., 2.,3. im Anschluss machen aber Sinn für mich und der Text im weiteren Verlauf könnte auch gut O-Ton Eckhart sein. Aber zusammengetragene Texte-Passagen machen ja noch keine ernst zu nehmende Autorin.

    Es wäre aber aus meiner Sich schon wichtig, die angesprochene Problematik fachmännisch zu vermitteln. Es gibt z.B. tatsächlich viele sog. „spirituelle“ Techniken (die ich oft Mentaltechniken nennen würde), die Menschen motivieren, negative Gedanken um jeden Preis loszuwerden. Auch in einem (Parallel-)Forum zu ET fand ich kürzlich plakatiert die Motivation, das Ego „auszurotten“, und die engagierte Moderatorin reagierte dann gar aggressiv auf meine Bedenken. Sowohl das Plakat, wie die aggressive Haltung, sind aus meiner Sicht irreführend.

    Dies sind negative Beispiele des Ego, wie sie wohl tatsächlich in ESO-Kreisen herumgeistern und abgekürzt ohne Kontext die Runde machen – und nicht hilfreich sind (von gut oder schlecht zu sprechen wäre tatsächlich am Thema vorbei). Aus meiner Sicht gibt es einfach die Polarität und einzig die Übertreibungen in die eine, wie die andere Richtung sind bedenklich. Und wir entwickeln uns an den Gegensätzen, indem wir lernen, damit umzugehen und SEIN zu lassen. Extremvorstellungen deuten für mich aber immer eine extreme Ego-Haltung an. Ob dies nun als Mentales oder als Erleuchtung verkleidet daher kommt.

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