Zehntägiges Vipassana Retreat – Ein Erfahrungsbericht

„Alles Unheil dieser Welt geht davon aus, dass die Menschen nicht still in ihrer Kammer sitzen können.“

Blaise Pascal

Auf meinem Roadtrip von Berlin nach Bogotá wollte ich dieses urmenschliche Problem angehen, indem ich mich zehn Tage in ein Meditationszentrum in der Nähe der spanischen Hauptstadt zurückzog. Bestimmt schon zwei Jahre hatte ich mich mit dem Gedanken gespielt, an einem zehntägigen Vipassana Retreat teilzunehmen. Nun war es endlich so weit: Inmitten des Naturschutzgebietes Sierra de Gredos im Zentrum Spaniens sollte ich in einem Meditations-Zentrum zehn Tage lang schweigen und mindestens zehn Stunden pro Tag meditieren.

Im September ist es hier immer noch sommerlich warm. Das Zentrum liegt inmitten weiter, gelb-leuchtender Landschaft. Neben den 120 Teilnehmern, genau 60 Männer und 60 Frauen, sind auch ca. 20 freiwillige Helfer vor Ort, die den Meditationskurs koordinieren und uns während des Retreats bekochen und alles sauberhalten.

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10-tägiges Vipassana Retreat: Die Regeln

 

Am Anreisetag füllen wir fleißig Registrations-Formulare aus, lernen die anderen Teilnehmenden kennen und  machen uns ein letztes Mal mit den strengen Regeln für die kommenden zehn Tage vertraut.

Jede Form der Kommunikation zwischen den Kursteilnehmerinnen – einschließlich Körpersprache, Augenkontakt und schriftliche Nachrichten – sowie jeglicher Kontakt zur „Außenwelt“ ist bis zum 10. Tag des Kurses verboten. Außerdem sollen wir auf jede Form der sinnlichen oder intellektuellen Unterhaltung verzichten, also etwa lesen, Musik hören, schreiben oder – natürlich – im Internet surfen.

Damit uns diese schwierige Aufgabe leichter fällt, übergeben wir alle Bücher, Schreibmaterialien, Handys, Notebooks sowie etwaige andere elektronische Geräte den Koordinatoren. Die Freiwilligen verstauen die potentiellen Ablenkungs- und Zerstreuungs-Werkzeuge an einem uns unbekannten Ort.

Auch auf Sport sowie Yoga während der Pausen sollen wir verzichten.

Wir verpflichten uns, während des Kurses das Gelände nicht zu verlassen und den Kurs nicht vorzeitig abzubrechen.

Frauen und Männer sind während der zehn Tage streng voneinander getrennt. Den Essensraum, Meditationssaal sowie das gesamte Gelände trennen die freiwilligen Helfer mit Sichtschutz in zwei Hälften. Wir schlafen in Mehrbettzimmern mit etwa neun Teilnehmenden des gleichen Geschlechts.

Es gibt einen strengen Zeitplan, der sich jeden Tag haargenau wiederholt. Unser Tag beginnt um vier Uhr morgens und endet abends um 21 Uhr, dazwischen sollen wir mindestens zehn Stunden meditieren.

Vipassana: Marathon-Meditation von 4 bis 21 Uhr 

 

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Jeden Morgen um vier weckt uns der Morgen-Gong. Dieser Glockenschlag wird für die nächsten zehn Tage unseren gesamten Tagesablauf bestimmen.

Bereits eine halbe Stunde später beginnt die tägliche Morgen-Meditation. Wir meditieren von 4.30 bis 6.30 Uhr. Dann erlöst uns ein in diesem Moment unsagbar wohlklingender Gong, der das Frühstück ankündigt. Nach dem Frühstück ist es noch immer stockdunkel, obwohl wir schon seit drei Stunden wach sind. Bevor die nächste Meditation beginnt haben wir eine Stunde Pause. Die große Mehrheit nutzt diese Stunde dazu, um erneut in einen totalen Tiefschlaf zu verfallen, nur um sich kurze Zeit später vom Acht-Uhr-Gong wecken zu lassen und aus dem Bett zu quälen.

Erstaunlicherweise gelingt es mir wie auch der Mehrheit meiner Zimmernachbarinnen fast immer, aufzustehen, wenn auch etwas wiederwillig. Schweigend trotten wir zum Meditationssaal, während die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf der Haut kribbeln und uns ein wenig aufmuntern.

Von 8 bis 9 Uhr gibt es die erste von drei einstündigen Gruppensitzungen. In diesen Zeiten sollen wir alle im Meditationssaal sein und ihn auch nicht verlassen. Sonst steht es uns frei, in unseren Zimmern oder im Meditationssaal zu meditieren. Vom draußen meditieren raten unsere zwei Lehrer ab, da wir dort von zu vielen Geräuschen und äußerlichen Sensationen, zum Beispiel dem Wind auf der Haut, abgelenkt würden.

Nach der Gruppenmeditation meditieren wir dann noch zwei weitere lange Stunden, bis uns der herrliche Gong zum Mittagessen ruft.

Vipassana Retreat: Pause am Mittag 

In der Mittagspause von 12 bis 13 Uhr versucht sich jeder mit irgendetwas zu beschäftigen, um ein bisschen Abwechslung in den Tagesablauf zu bringen. Einige drehen Runden auf dem Gelände, vorbei an den zahlreichen Oliven- und Feigenbäumen, den vereinzelt in die Landschaft geworfenen Felsen und dem Swimmingpool, den wir natürlich nicht benutzen dürfen. Meine Zimmergenossinnen und ich finden schnell eine Lieblingsbeschäftigung: Wäsche waschen. Schweigend stehen wir nebeneinander an den Waschbecken, schrubben eindringlich unsere Wäsche, spülen sie sorgfältig aus und hängen sie im Garten auf die Leine. Das ermöglicht die wunderbare Aufgabe, in einstündigen Abständen in den Garten zu laufen und zu kontrollieren, ob die Wäsche bereits trocken ist.

Es folgen vier Stunden Meditation am Nachmittag. Anschließend eine einstündige Unterbrechung am frühen Abend, um unser „Abendessen“ zu uns zu nehmen. Das besteht leider nur aus ein paar Früchten (zwei Stück pro Person) sowie Tee und Milch. Doch ich habe noch Glück. Teilnehmerinnen, die schon zum zweiten Mal dabei sind, bekommen abends gar nichts mehr zu essen.

Von 18 bis 19 Uhr gibt es die letzte Gruppenmeditation des Tages. Danach hören wir einen ein- bis anderthalbstündigen Vortrag des indischen Vipassana-Gurus Goenka, der die Technik aus den buddhistischen Klöstern holte und einem größeren Publikum zugänglich machte. Anschließend meditieren wir eine halbe Stunde, was wie nichts erscheint, nachdem wir schon etliche Stunden Meditation im Laufe des Tages hinter uns gebracht haben.

Und dann endlich, nach 17 langen Stunden, von denen wir 10,5 meditierend auf unseren Sitzkissen verbracht hatten, erlöst uns der letzte Gong des Tages. Danach können wir unseren beiden Lehrern, einen Lehrer für die Jungs und eine Lehrerin für uns, vor Ort noch individuell Fragen stellen. Dann sollen wir uns schlafen legen. Die meisten drehen aber noch ein paar Runden im Garten, schauen in den sternenklaren Himmel, beobachteten den Mond, der jeden Abend etwas voller wird bis in unserer letzten Nacht der Vollmond am Firmament leuchtet.

Vipassana Retreat: Wozu das Ganze?

 

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Am Tempel des Apoll in Delphi stand in der Antike für alle sichtbar ein kurzer Spruch:

„Erkenne dich selbst.“

Es heißt, alle Gesetze des Universums können durch Selbsterkenntnis erfahren werden. Wie innen, so außen. Alles was in uns ist, findet sich auch im Außen wieder. Wir brauchen nicht die ganze Welt bereisen oder tausend schlaue Bücher lesen, sondern wir können alle Weisheit in uns selbst erfahren. Darum geht es beim Vipassana: Die Gesetzmäßigkeiten des Lebens bzw. des Universums sollen wir in uns selbst erfahren und sie dadurch auf einer tiefen, auch unbewussten Ebene verstehen.

Vipassana ist eine alte Meditationstechnik aus Indien, mit der angeblich Buddha höchstpersönlich unter der Pappelfeige die Erleuchtung erlangte. Es ist eine buddhistische Praxis, die aber nicht an die Religionszugehörigkeit gebunden ist und auch von Nicht-Buddhisten geübt und gelehrt wird. Vipassana bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie sind –  und nicht, wie wir sie gern hätten.

Bei der Technik scannt man dein eigenen Körper von oben nach unten. Man beobachtet Stück für Stück die Empfindungen in jedem einzelnen Körperteil. Ist man dann einmal damit durch, beginnt man wieder von vorn. Spürt in jeden kleinsten Teil des Körpers hinein und schaut, was für Empfindungen auftauchen.

Dem Buddhismus zufolge entsteht alles menschliche Leid durch die Anhaftung an positive Aspekte des Lebens sowie die Aversion gegen alles, was wir als unangenehm empfinden. 

Die Anhaftung an die angenehmen Seiten des Lebens ist deshalb problematisch, weil alles vergänglich ist. Durch die Vipassana-Praxis sollen wir begreifen, dass es Beständigkeit nicht gibt und die einzige Konstante unseres Lebens der Wandel ist. Daher ist es kaum klug, an Dingen festzuhalten oder anzuhaften, weil sie ohnehin vergehen werden.

Aversion – also eine negative, ablehnende Reaktion auf Ereignisse – ist an sich unvorteilhaft, weil sie negative Zustände in uns erzeugt und dazu führt, dass wir uns schlecht fühlen. Es ist der Widerstand gegen den jetzigen Augenblick, der nur aufgrund der vorgefertigten Meinung entsteht, wie etwas sein sollte.

Bei der Vipassana-Meditation geht es nun darum, Empfindungen im Körper zu beobachten ohne sie zu bewerten oder gar darauf zu reagieren. Dadurch sollen wir dann lernen, den Höhen und Tiefen in unserem Leben gelassener zu begegnen und deshalb ausgeglichener und glücklicher zu leben.

Dem Leben mit Gleichmut begegnen

Das Schlüsselwort des ganzen Kurses lautet deshalb: Gleichmut. Allen Ereignissen des Lebens, egal ob positiv oder negativ, sollen wir mit Gleichmut begegnen. Wenn wir wirklich auf einer tiefen Ebene verstehen, dass alles Positive und Negative vergänglich ist, dann brauchen wir nicht mehr mit Anhaftung oder Aversion zu reagieren.

Nur Gleichmut – so die Vipassana-Philosophie – erlöst uns vom Leiden. Wer gleichmütig ist, reagiert nicht blind auf die Ereignisse des Lebens, sondern beobachtet sie, ohne zu bewerten.

Die Quasselstrippe in uns

Außerdem geht es beim Vipassana, wie bei jeder Meditationstechnik darum, den Geist zu beruhigen. Die allerwenigsten von uns leben wirklich in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Den größten Teil unserer Zeit schweift unser Geist irgendwo in der Vergangenheit oder der Zukunft umher. Dabei entgeht uns der gegenwärtige Moment und damit nichts weniger als das eigentliche Leben, das einzige, was wirklich real ist.

Vergangenheit und Zukunft sind nichts weiter als geistige Projektionen. Sie existieren nicht, denn es ist immer Jetzt.

Wenn unser Geist ständig in der Vergangenheit und Zukunft ist, verpassen wir unser Leben. Die meisten Gedanken, die uns den lieben langen Tag durch den Kopf gehen, sind redundant, nutzlos, unzusammenhängend und kosten eine Menge Energie. Energie, die wir viel produktiver nutzen könnten.

Wer sich mal zur Meditation hinsetzt, merkt schnell, was für eine nutzlose und scheinbar unkontrollierbare Quasselstrippe durch unseren Kopf spukt. Es ist kaum möglich, auch nur ein paar Sekunden lang nichts zu denken, schon schießen einem die unterschiedlichsten Dinge durch den Kopf. Dinge, die wir in der Zukunft erledigen müssen oder Ereignisse aus der Vergangenheit, die wir nicht loslassen wollen. Dabei schafft man es oft noch nicht einmal, einen Gedanken vernünftig zu Ende zu denken. Der Geist springt unzusammenhängend von einem Thema zum nächsten. Wie ermüdend und energieraubend das ist, wird einem durch das Meditieren so wirklich bewusst.

In unserem Kopf gibt es eine wahre Müllhalde an Gedanken, die dem Geist ständig Stimuli bietet. Da während des Kurses keinerlei Gespräche und geistige Beschäftigungen wie lesen, Filme schauen, Radio hören etc. erlaubt sind, entziehen wir dem Geist aber wenigstens eine Zeitlang das Futter.

Dass der vorübergehende Stopp der Reizüberflutung hilft, den Geist zu beruhigen, wird schon nach ein paar Tagen im Meditationszentrum deutlich. Während mir in den ersten Tagen noch unentwegt die ganzen Bilder, Eindrücke und Erlebnisse von unserem Roadtrip nach Madrid durch den Kopf schießen, beruhige ich mich ab dem dritten Tag merklich. Die Meditationen werden tiefer und wirken entspannender. Ich schaffe es länger ruhig zu sitzen, ohne dass ein Gedanke auftaucht – auch wenn das trotzdem nie länger ist als einige, wenige Minuten ist.

Wir sind nicht die Wolken, wir sind die Beobachter.

Dabei geht es beim Meditieren auch nicht darum, dass gar keine Gedanken aufkommen und die totale Stille im Kopf herrscht. Es geht viel mehr darum, nicht mehr auf die auftauchenden Gedanken aufzuspringen und uns mit ihnen zu identifizieren, sondern sie zu beobachten wie vorbeiziehende Wolken. Sie kommen und gehen wieder. Es gibt keinen Grund diese Wolken zu bewerten, denn sie sind nur vorübergehend da. Wir sind nicht die Wolken. Wir sind die Beobachter. Gleichmütige Beobachter natürlich.

Eine Stunde vollkommene Bewegungslosigkeit

Ab dem vierten Tag sollen wir dann während der Gruppensitzungen, also dreimal eine Stunde pro Tag, absolut regungslos dasitzen und die Augen geschlossen halten. Als ich das höre, muss ich lachen: Wie soll ich denn bitte eine Stunde vollkommen regungslos dasitzen, ohne auch nur einmal mit dem kleinen Finger zu zucken, eine lästige Haarsträhne zu entfernen, einen störenden Juckreiz zu bekämpfen und vor allem ohne auf die Uhr schauen zu können ?

Doch dann packt mich der Ehrgeiz, meinen Körper wenigstens für diese eine Stunde zu beherrschen. Und siehe da: Gleich beim ersten Mal gelingt es. Eine Stunde ohne die kleinste Bewegung. Dabei stellte ich gleich eine Gesetzmäßigkeit fest, die sich (fast) bis zum Ende so bestätigen sollte. Die erste Hälfte schafft man irgendwie. Dann fängt es an irgendwo wirklich, wirklich weh zu tun. Bei mir war es fast immer das Knie, da ich meist im Schneidersitz saß. Bis schätzungsweise zur 45. Minute quält man sich dann so durch und dann wird es wirklich unerträglich. Dann beginnt ein wahres Ringen mit dem Geist. Die Minuten fühlen sich an wie Stunden. Man meint, die Stunde müsste schon seit Ewigkeiten vorbei sein. Haben die uns vergessen? Verdammt, ich kann die Augen nicht öffnen, um zu schauen was die Lehrer machen. Einige Mitleidende beginnen sich laut zu räuspern, ihnen gehen anscheinend dieselben Gedanken durch den Kopf wie mir. Man zaudert. Wozu das Ganze?? Ich könnte einfach mein Bein ausstrecken und wäre von diesen furchtbaren Qualen erlöst. Und das sind echt fiese Schmerzen, keine Ahnung warum das so ist, aber es tut einfach furchtbar weh. Dabei Gleichmut zu bewahren ist mir sicher bis zum Schluss nicht gelungen.

Aber irgendwann ertönt der Gesang Goenkas, den ich sonst schrecklich finde, aber in diesem Moment kann ich mir nichts Schöneres, Befreienderes, Erlösenderes vorstellen. Eine Tonbandaufnahme, die mit dem Wort „Anisha“ beginnt, und die letzten 5 Minuten der bewegungslosen Meditation einleitet. Anisha – das Gesetz der Unbeständigkeit. Alles ist irgendwann vorüber. Nichts ist ewig. Ein Wissen, das durch diesen einstündigen Kampf mit dem Unbewussten und den niederen Instinkten in jede Zelle des Körpers einsickert, sodass man es wirklich auf eine tiefe nachhaltige Weise begreift.

Vipassana Retreat: Was nehme ich mit?

Eine wichtige Einsicht des Kurses ist sicherlich, dass das Wissen mit dem Kopf oft nutzlos ist. Wir können es nicht wirklich in unserem Leben nutzen, weil es nicht bis in Unbewusste durchdringt. Die unbewussten, automatisierten Verhaltensmuster, nach denen wir tagtäglich agieren, werden von dem intellektuellen Wissen nicht berührt, geschweige denn verändert. Wir akzeptieren bestimmte Dinge intellektuell, aber wir leben nicht danach. Mir ging es jedenfalls schon oft so, dass ich inspirierende Bücher las, neue Ideen aufsog und sie für gut und richtig befand. Aber sie veränderten nie mein Leben oder mich selbst, weil ich es im Alltag nicht schaffte, wirklich nach diesen Erkenntnissen zu leben.

Natürlich wissen wir, dass nichts ewig ist und alles irgendwann einmal vorbei sein wird. Aber in dieser einen Stunde der Bewegungslosigkeit, die wir ab dem vierten Tag dreimal täglich praktizierten, beginnen auch der Körper und das Unbewusste das zu begreifen. Am Anfang wollen sie noch gegen den Schmerz, die Unannehmlichkeiten ankämpfen. Doch am Ende der Meditation sehen sie ein, dass man nicht dagegen ankämpfen muss, weil es irgendwann vorbei sein wird. Was am Anfang wie eine kaum zu bewältigende Ewigkeit erscheint, findet irgendwann ein Ende.

Die ersten Tage nach dem Kurs, zurück in Madrid, fühlte ich mich komisch. Irgendetwas in mir hatte begriffen, dass mein Leben, das jetzt noch wie eine scheinbare Ewigkeit vor mir lag, irgendwann vorbei sein wird. Ich fühlte richtig, wie ich eines Tages dasitzen werde und auf mein Leben zurückblicke. Das, was ich für eine Ewigkeit hielt, wird dann zu Ende sein. Das waren keine Gedanken in meinem Kopf. Es war ein Gefühl in meinem ganzen Körper, das mich weder traurig noch glücklich machte, sondern sich einfach merkwürdig anfühlte. Ich begriff einmal mehr, und diesmal auf einer besonders tiefen Ebene, wie kostbar unsere Zeit ist. Dass es wirklich keinen Grund gibt, irgendetwas zu tun, das wir eigentlich nicht tun wollen, nur weil wir es zum Beispiel für sicher halten. Hätte ich nicht ohnehin schon den Weg eingeschlagen, nur noch das zu tun, worauf ich am meisten Lust habe, ich wäre nach dem Retreat bereit gewesen, mein gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen.

Es gab noch einige weitere Einsichten. Nur bringt es kaum etwas, diese hier aufzuschreiben. Denn um sie wirklich zu verstehen, muss man es einfach selbst erleben. Das intellektuelle Wissen hilft wie gesagt wenig. Vielleicht begreift man es kurz und befindet es sogar für wahr, doch kurze Zeit später verliert sich dieses Wissen schon wieder in den alltäglichen Automatismen und unbewussten Verhaltensmustern. Daher muss jeder, der auf bleibende Erkenntnisse hofft, selbst zum Kurs gehen.

Will man sein Leben transformieren, sollte man natürlich auch nach dem Kurs weiter praktizieren. Goenka empfiehlt, zwei Stunden täglich zu meditieren. Eine Stunde morgens und eine Stunde abends. Die Erleuchtung ist nicht so leicht zu haben. Wer hätte das gedacht. Vielleicht ist es auch gar nicht so schwer, weil man zum Beispiel durch das viele Meditieren nicht mehr so viel Schlaf braucht. Während des Meditations-Retreats habe ich auf jeden Fall sehr wenig geschlafen und mich trotzdem immer ausgeruht gefühlt.

Ich zumindest habe es nach dem zehntägigen Kurs leider nicht geschafft, dran zu bleiben. Das lag hauptsächlich daran, dass ich nach dem Retreat für mehrere Monate durch Südamerika reiste und es mir deshalb besonders schwer fiel, eine zweistündige Praxis in einen Alltag zu integrieren, den ich zu dieser Zeit nicht hatte. Ich möchte diesen Kurs auf jeden Fall noch mal wiederholen und dann im Anschluss wenigstens für 30 Tage weiter meditieren und herausfinden, was das mit mir macht.

Die zehntägige Vipassana-Kurse kannst du überall auf der Welt machen, in Deutschland beispielsweise im sächsischen Triebel. Auf der offiziellen Website der Vipassana Meditation nach S.N. Goenka findest du alle aktuellen Kurse.

Hier kannst du alle wichtigen Infos, Tipps und Wissenswertes über das zehntägige Vipassana Retreat nachlesen.

Hast du schon Erfahrungen mit Vipassana gemacht? Was waren deine wichtigsten Einsichten und Erkenntnisse?

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