Abwehrmechanismen des Ich – Wie wir uns vor Gefühlen schützen

Bild: Priscilla Du Preez

Abwehrmechanismen des Ich sind erlernte Strategien, die unsere Psyche nutzt, um uns vor inneren Konflikten und den damit verbundenen schwierigen Gefühlen zu schützen. Dadurch lenken wir uns von dem Schmerz ab, den wir eigentlich empfinden. Diese Mechanismen sind meist sehr subtil und sind uns in der Regel überhaupt nicht bewusst. Wir verdrängen sogar die Tatsache, dass wir unseren Schmerz verdrängen. Das könnte gut funktionieren, doch tief in uns spüren wir, dass wir nicht wirklich authentisch sind. Wenn wir uns unbewusst ständig vor Gefühlen schützen, dann führen wir ein abgestumpftes Leben, das weder authentisch noch lebendig ist. Darüber hinaus kann eine starke Fixierung auf einen bestimmten Abwehrmechanismus zu großen Problem führen.

Je nach Persönlichkeitsstruktur und Veranlagung nutzen wir bestimmte Abwehrmechanismen häufiger als andere. Manche Strategien gelten als reifer und verursachen weniger Probleme. Alle Mechanismen können uns jedoch auf Dauer schaden, da sie einen echten Kontakt zu uns selbst, unseren wahren Gefühlen und menschlichen Bedürfnissen verhindern. Trotzdem sind Abwehrmechanismen manchmal sinnvoll, da sie unsere Psyche entlasten. Ganz ohne Abwehrmechanismen würden wir in unserer derzeitigen Gesellschaft kaum zurechtkommen. Für ein wirklich erfülltes, selbstbestimmtes Leben ist es jedoch notwendig, dass wir uns unserer inneren Vorgänge immer bewusster werden. Erst dann können wir sie sinnvoll und bewusst nutzen, anstatt uns unbewusst von ihnen steuern zu lassen.

Darüber hinaus dürfen wir lernen, innere psychische Konflikte auszuhalten und uns schwierigen Emotionen zu stellen. Nur so können wir die wahren Ursachen unserer Schwierigkeiten im Leben erkennen. Denn hinter jedem Abwehrmechanismus verbirgt sich eine kleinere oder größere Verletzung aus der Kindheit, die erkannt und geheilt werden möchte. 

Je mehr wir innerlich heilen, desto überflüssiger werden unsere Abwehrmechanismen. Wir nutzen sie nur noch in in ganz bestimmten Situationen und dann ganz bewusst. Bleiben wir hingegen ein Leben lang in unseren Abwehrmechanismen „hängen“ und verstricken uns immer mehr darin, können wir das eigentliche Problem nie erkennen und lösen. Wir entfernen uns immer mehr von unserem wahren Selbst und die äußeren Konflikte sowie inneren Spannungen nehmen immer weiter zu, was unglaublich viel Kraft kostet. Das Leben wird immer anstrengender und gleichzeitig abgestumpfter.

Die Abwehrmechanismen des Ich wurden erstmalig vom Urvater der Psychoanalyse Sigmund Freud beschrieben und von seiner Tochter Anna Freud weiter erforscht und ausgeführt. Freud beschrieb seinerzeit neun verschiedene Abwehrmechanismen des Ich. Diese wurden mit der Zeit ergänzt und weiter unterteilt, sodass man mittlerweile auf bis zu 20 verschiedene psychische Abwehrmechanismen kommt. 

Das sind die Abwehrmechanismen des Ich im Überblick:  

  1. Rationalisierung 
  2. Projektion
  3. Sublimierung 
  4. Verschiebung 
  5. Verdrängung 
  6. Verleugnung 
  7. Identifikation / Introjektion
  8. Somatisierung / Konversion 
  9. Kompensation 
  10. Idealisierung 
  11. Abwertung 
  12. Reaktionsbildung 
  13. Affekt-Isolierung 
  14. Intellektualisierung 
  15. Regression 
  16. Fantasie & Tagträumerei
  17. Schwarz-Weiß-Denken
  18. Wendung gegen die eigene Person / Auto-Aggression 
  19. Ungeschehen machen 
  20. Reversion / Verkehrung ins Gegenteil

Im Folgenden findest du eine genauere Beschreibung einiger der wichtigsten Abwehrmechanismen und wie du diese in gesündere Mechanismen transformieren kannst. 

1. Rationalisierung: “Es ist doch alles halb so schlimm

Rationalisierung ist ein sehr verbreiteter Abwehrmechanismus, den wohl jeder von uns hin und wieder nutzt. Dabei finden wir rationale Gründe und verstandesmäßige Rechtfertigungen dafür, warum bestimmte Emotionen in einer Situation nicht angebracht sind. 

Beispielsweise können wir uns einreden, dass es unglaublich viele Vorteile hat, Single zu sein und allein zu leben. Wir können uns immer wieder die Vorteile eines solchen Lebens vor Augen halten, dabei aber völlig die Trauer verdrängen, die wir eigentlich spüren. Genauso können wir starken Liebeskummer überspielen, indem wir uns sagen: Sie war sowieso nicht die Richtige. Andere Mütter haben auch schöne Söhne. Das Single-Dasein ist ohnehin viel aufregender.

Auch Schuldgefühle werden häufig rationalisiert. Täter suchen dann nach vermeintlich rationalen Gründen für ihre Taten: Er hat mich provoziert. Sie hat es nicht anders verdient. Der entstandene Schaden tut niemandem weh. Das Opfer hat ohnehin zu viel Geld und ist außerdem ein schlechter Mensch etc. Dadurch verhindern sie, die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und Schuld empfinden zu müssen.  

Traurigkeit, Wut, Angst, Schuld und andere Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, reden wir uns oft rational aus. Natürlich sind manche Gefühle aus rationaler Sicht unbegründet und mitunter kann es sinnvoll sein, aus dieser rationalen Perspektive auf eine Situation zu schauen, um zu erkennen, dass die derzeitigen Emotionen unangemessen heftig sind. 

Nichtsdestotrotz haben auch diese Emotionen ein Daseinsrecht und wollen gefühlt werden. Nur wenn wir Gefühle zulassen und fühlen, können sie heilen und sich transformieren. Sonst schieben wir sie mit unseren rationalen Begründungen immer wieder zur Seite bzw. drücken sie noch tiefer ins Unbewusste. Doch diese Emotionen verschwinden nicht. Sie werden immer wieder an die Oberfläche unseres Bewusstseins drängen, bis wir sie endlich annehmen und integrieren können. 

Ein ähnlicher Abwehrmechanismus ist die Intellektualisierung. Dabei verlieren sich Menschen in theoretischen Analysen, um sich von den eigentlichen Emotionen abzulenken. Menschen, die diesen Abwehrmechanismen nutzen, philosophieren beispielsweise gern über das Leben, die Liebe und Emotionen wie Angst, anstatt die eigentlichen Emotionen zu fühlen. Eine Sonderform dieses Abwehrmechanismus ist das Pathologisieren, bei dem man schwierigen Mitmenschen psychische Krankheiten oder Persönlichkeitsstörungen unterstellt. Anstatt die eigenen verletzlichen Emotionen in Bezug auf den Vorgesetzten wahrzunehmen und zu fühlen, diagnostiziert man ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und hakt das Thema damit ab. 

Durch Rationalisierungen und vermeintliche Fakten sprechen wir unseren Gefühlen jegliches Daseinsrecht ab. Reifer und hilfreicher wäre es, uns einzugestehen, dass die Emotionen nun mal da sind. Du kannst dich beispielsweise fragen: 

  • Wie geht es mir emotional in dieser Situation? 
  • Welche verletzlichen Gefühle will ich nicht wahrhaben? 
  • Wie geht es mir damit, wenn ich nicht nach Gründen suche, warum das alles „halb so schlimm“ ist?

Mitunter sind wir so gut darin, unsere Gefühle zu unterdrücken, dass wir sie selbst nicht mehr wahrnehmen können. Dann kann ein äußerer Spiegel hilfreich sein. Du kannst zum Beispiel einer vertrauten Person von deiner Situation erzählen und dir Feedback geben lassen, welche Gefühle sie bei dir wahrnimmt. 

2. Projektion: Der / die Andere ist das Problem

Bei diesem beliebten und weit verbreiteten Abwehrmechanismus projizieren wir eigene ungeliebte, verdrängte oder auch verbotene innere Anteile, Gefühle oder auch Triebe auf andere Menschen. 

Wenn wir uns selbst beispielsweise als eine sehr ruhige, zurückhaltende und besonnene Person sehen, dann haben wir den Teil ins uns, der laut, extrovertiert und draufgängerisch ist, verdrängt. Der Grund dafür liegt meist darin, dass diese Anteile unseres Selbst in der Kindheit keine Liebe, Anerkennung und Bestätigung von unseren wichtigsten Bezugspersonen bekommen haben. 

Deshalb mussten wir diese Anteile in uns verdrängen, um uns die Liebe zu unseren wichtigsten Bezugspersonen zu sichern. Wir betonen dann den anderen Pol meist über, weil er uns Liebe und Anerkennung in der Kindheit gebracht hat. Die unbewussten, unterdrückten Anteile projizieren wir auf andere Menschen, anstatt sie in uns selbst zu erkennen, anzunehmen und zu re-integrieren. Wir verurteilen diese Menschen dann dafür, dass sie diese Eigenschaften und Verhaltensweisen so schamlos ausleben, da wir selbst lernen mussten, dass man so nicht sein darf. 

Auch unbewusste Ängste oder unterdrückte Triebe projizieren wir oft auf andere. Ein Mann, der seine eigene Homosexualität verdrängt, sieht in anderen Männern sehr häufig homosexuelle Züge und verurteilt sie dafür. Jemand, der Angst vor Zurückweisung hat, unterstellt anderen Menschen die gleiche Angst etc. 

Wir projizieren jedoch auch unterdrückte Anteile, die wir als positiv empfinden auf andere Menschen. Es kann zum Beispiel sein, dass wir als Kind unser künstlerisches Talent unterdrücken mussten, weil unsere Eltern aus irgendeinem Grund ein Problem damit hatten und sich etwas anderes für uns gewünscht haben. Wir müssen diesen wesentlichen Teil unseres Selbst dann schweren Herzens unterdrücken, um uns die überlebenswichtige Nähe zu unseren Versorgern zu sichern. Später können wir diesen Anteil dann nicht mehr in uns selbst erkennen, sondern nur  in anderen Menschen und bewundern sie dafür. 

Der Schlüssel zu einem reifen Umgang mit diesem oft vollkommen unbewussten Abwehrmechanismus liegt darin, sich bewusst zu machen, dass es immer etwas mit uns selbst zu tun hat, wenn eine andere Person starke Emotionen in uns auslöst, egal ob diese positiver oder negativer Natur sind. 

Mehr dazu erfährst du in diesem Artikel: So integrierst du deine Schatten

Bild: Darius Bashar

3. Sublimierung: Umwandlung und Erhöhung ‚niederer‘ Triebe

Sublimierung gilt als einer der reifsten Abwehrmechanismen. Meist ist es ein sinnvoller und konstruktiver Umgang mit triebhaften Bedürfnissen und sozial weniger akzeptierten Regungen. Diese werden durch Sublimierung in sozial höherwertige, anerkannte Ziele umgewandelt. 

Beispielsweise können sexuelle Bedürfnisse, die nicht (ausreichend) ausgelebt werden können, durch gesellschaftlich akzeptierte Ersatzhandlungen befriedigt werden. Viele große Künstler haben ihre sexuelle Energie in kreative Schöpfungsprozesse umgewandelt bzw. sublimiert. Freud selbst war der Meinung, dass Sublimierung die Quelle jeglicher menschlicher Kultur ist, da hierbei sexuelle Triebe in schöpferische Prozesse veredelt werden. 

Auch die Berufswahl kann eine Form der Sublimierung sein. So können Schauspieler beispielsweise ihre exhibitionistischen Triebe auf der Bühne ausdrücken. Ein Metzger kann sadistische oder aggressive Triebe in gesellschaftlich akzeptierter Form ausleben. Jemand, der in der Jungend gern kokelt, engagiert sich später bei der freiwilligen Feuerwehr. Auch exzessiver Sport oder Arbeit können eine Form der Sublimierung innerer Triebe sein. 

Oft ist Sublimierung ein nützlicher und reifer Abwehrmechanismus. Allerdings ist es wichtig, dass man die „niederen“ menschlichen oder körperlichen Triebe nicht komplett abwertet oder sich selbst für diese verurteilt. Hier besteht die Gefahr, sich zu sehr von seinem Körper und dessen Bedürfnissen abzuschneiden und nur noch auf einer höheren geistigen oder spirituellen Ebene unterwegs zu sein. Für die meisten Menschen ist es wichtig, auch die körperlichen Bedürfnisse und “niederen” Triebe auf gesunde Weise auszuleben.

4. Verschiebung: Einen Sündenbock finden 

Verschiebung kann eine sehr gefährlicher Abwehrmechanismus sein, der viel Schaden anrichtet und unter dem meist die Schwächsten unserer Gesellschaft leiden müssen. 

Bei der Verschiebung werden angestaute, meist aggressive und feindselige Gefühle an Ersatzpersonen oder Objekten entladen, die weniger bedrohlich erscheinen als der eigentliche Auslöser dieser Gefühle. 

Das passiert beispielsweise, wenn eine Frau sich von ihrer Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlt. Da sie ihren Unmut gegenüber der Vorgesetzten nicht zum Ausdruck bringen kann und auch sonst keine Möglichkeit findet, konstruktiv mit ihrer Wut umzugehen, lässt sie den Frust abends an ihrem Kind aus und brüllt es wegen einer Kleinigkeit an. Das Kind wiederum, dass mit dieser Ungerechtigkeit und seiner Wut darüber nicht umgehen kann, sucht sich wiederum Schwächere, um seiner Aggression, die sich eigentlich gegen die Mutter richtet, Luft zu machen. Dann beginnt dieses Kind vielleicht, Tiere zu quälen oder schwächere Kinder in der Schule zu mobben. 

Meist richten wir bei der Verschiebung unsere Wut und Aggression auf schwächere Menschen oder Lebewesen, weil wir sie gegenüber Autoritätspersonen nicht ausdrücken können. Es muss sich dabei jedoch nicht immer um eine körperlich oder psychisch unterlegene Person handeln, es kann auch irgendjemand sein, der oder die unseren Frust zufällig abbekommt, beispielsweise unser Partner, die Mitbewohnerin oder eine fremde Person auf der Straße. 

Da diese Art der psychischen Abwehr viel Schaden in zwischenmenschlichen Beziehungen anrichten kann, ist es wichtig, dass wir einen gesunden, konstruktiven Umgang mit unserer Wut und Aggressionskraft lernen. Außerdem können wir lernen, gesunde und entschiedene Grenzen auch gegenüber Autoritätspersonen zum Ausdruck zu bringen, wenn diese uns schlecht behandeln. 

5. Verdrängung: Ich weiß nichts davon  

Verdrängung ist ein sehr wichtiger Abwehrmechanismus, den wir meist bereits in sehr jungen Jahren entwicklen müssen, um in dieser un-perfekten Welt überleben zu können. 

Um uns die Nähe zu unseren wichtigsten Bezugspersonen und Versorgern zu sichern, verdrängen wir alle unerwünschten Verhaltensweisen, Gefühle, Triebe und Charakteristika unserer Persönlichkeit ins Unbewusste. Dadurch entwickeln wir ein ideales Bild unser Selbst. Wir glauben dann, genau diesem Ideal entsprechen zu müssen, um Liebe, Anerkennung und Wertschätzung zu bekommen. Alles, was diesem idealen Selbstbild zuwiderläuft, muss ausgeblendet, unterdrückt und verdrängt werden. Doch diese Eigenschaften und Energien verschwinden nicht einfach dadurch, dass wir sie ins Unbewusste verdrängen. Sie sind ein Teil von uns und werden immer wieder auf den merkwürdigsten Wegen in unser Bewusstsein drängen, um endlich erlöst und re-integriert zu werden. 

Sind wir jedoch auch im erwachsenen Alter nicht bereit oder in der Lage dazu, dieses verdrängte Material als einen Teil unseres Selbst zu erkennen und anzunehmen, dann werden wir es weiterhin verdrängen und immer wieder in den Keller unseres Bewusstsein hinunter drücken. Das ist jedoch ein sinnloser, wenn auch meist völlig unbewusster Kampf, der uns sehr viel Energie kostet und der nicht zu gewinnen ist. Im Unterbewusstsein werden die unerwünschten Triebe und Impulse immer stärker. Sie äußern sich dann beispielsweise in Ersatzhandlungen, innerem Widerstand, Selbstsabotage, Blockaden, Fehlleistungen, Freudschen Versprechern oder in immer wiederkehrenden Träumen. 

Ein Beispiel: Eine junge Frau ist stets um Anstand und Zurückhaltung bemüht. Auf einer Betriebsfeier kommen jedoch plötzlich ihre unterdrückten enthemmten und ausgelassenen Anteile zum Vorschein. Aus Sicht der Frau handelt es sich um eine Fehlleistung, die ihr ideales Selbstbild bedroht. Da sie das psychisch nicht aushält, verdrängt sie das Ereignis und kann sich schon ein paar Wochen später kaum noch an die Feier erinnern.  

Da es sich um einen solch unbewussten Prozess handelt, ist es gar nicht so leicht, der Verdrängung auf die Schliche zu kommen. Einen Hinweis können wie gesagt immer wiederkehrende Träume, sogenannte Fehlleistungen wie in dem obigen Beispiel oder auch „Freudsche Versprecher“ geben. Am ehesten können wir verdrängte Triebe, Eigenschaften, Verhaltensweisen und Gefühle jedoch durch äußeres Feedback erkennen. Wenn andere Menschen dir beispielsweise immer wieder spiegeln, dass sie eine starke Wut und (passive) Aggressivität wahrnehmen, du selbst aber diese Gefühle überhaupt nicht in dir bemerkst, ist das ein starker Hinweis auf Verdrängung. Sehr stark verdrängtes Material können wir meist nur durch professionelle Unterstützung, zum Beispiel einer Therapeutin oder eines Coaches, erkennen und re-integrieren.

Abwehrmechanismus des Ich nach Sigmund Freud: Verdrängung
Bild: Oscar Keys

6. Introjektion: Der Täter bin ich selbst 

Der Abwehrmechanismus Introjektion ist das Gegenstück zur Projektion, bei der eigene innere Anteile auf andere projiziert werden. Bei der Introjektion dagegen verleiben wir uns bedrohliche äußere Einflüsse wie zum Beispiel bestimmte Verhaltensweisen, Anschauungen, Ideen, Werte und Sprache ein. Dadurch wehrt unsere Psyche äußere Bedrohungen und Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ausgeliefertsein etc. ab. Indem wir die äußere Bedrohung, zum Beispiel einen Täter oder Angreifer, zu einem Teil unseres Selbst machen, wird dieser als weniger bedrohlich empfunden. Man spricht auch von einem Täter-Introjekt oder Identifizierung mit dem Täter.

Dieses Täter-Introjekt kann sehr lange Zeit nachwirken. Es zeigt sich bei vielen Menschen beispielsweise in Form eines sehr starken inneren Kritikers. Oft redet dieser in genau dem gleichen Ton und mit den gleichen Worten, mit denen wir in der Kindheit kritisiert, abgewertet und bestraft wurden. Auch Opfer von Missbrauch und Gewalt verinnerlichen häufig die ablehnende und abwertende Haltung sowie Sprache des Täters ihnen gegenüber. 

Ein weiteres bekanntes Beispiel für diesen Abwehrmechanismus ist das sogenannte „Stockholm-Syndrom“. Dabei identifiziert sich das Opfer einer Entführung irgendwann mit dem Täter, indem es dessen Denken, Motive, Werte und Perspektive verinnerlicht. Dieser Mechanismus erfüllt in einer Extremsituation wie einer Entführung eine wichtige Schutzfunktion für das Opfer, da er schwierige Gefühle wie Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein abwehrt. 

Genauso können wir auch bestimmte Normen, Regeln oder Werte der Gesellschaft verinnerlichen und zu unseren eigenen machen. Dadurch verdrängen wir den Schmerz, gewisse Wünsche, Bedürfnisse oder Triebe nicht ausleben zu können. 

Introjektion ist in einer Extremsituation hilfreich und kann sogar das eigene Überleben sichern. Wenn wir die Introjektion jedoch nicht auflösen und loslassen können, sobald die Gefahr vorüber ist, kann dieser Abwehrmechansimus viel Schaden anrichten, da wir die Aggression dann gegen uns selbst richten und alle verletzlichen Gefühle und innere Anteile dauerhaft unterdrücken und abwerten.

Online-Kurs: Heile das Kind in dir

Möchtest du dich intensiv der Heilung deines inneren Kindes widmen und einen echten, tiefen und nachhaltigen Kontakt zu deinem inneren Kind aufbauen? Möchtest du dich von altem emotionalen Ballast und inneren Blockaden befreien und wieder Zugang zu der Lebendigkeit, Freude und Liebesfähigkeit deines inneren Kindes bekommen? 

Bei diesem zutiefst heilsamen Prozess kann dich der Kurs “Heile das Kind in dir” unterstützen. Sechs Wochen lang erhältst du E-Mails mit Inspirationen, Übungen und Meditationen für einen liebevollen, nachhaltigen und tiefen Kontakt zu deinem inneren Kind. Schritt für Schritt findest du zurück in ein Leben voller Fülle, tief empfundener Liebe für dich selbst und andere Menschen, Leichtigkeit, Lebendigkeit und Sinnhaftigkeit.

Mehr erfahren

7. Somatisierung / Konversion: Manifestation körperlicher Symptome und Krankheiten 

Bei diesem Abwehrmechanismus werden inner-psychische Konflikte in körperliche Symptome umgewandelt. Wenn wir die inneren Konflikte immer wieder verdrängen und sich die psychische Spannung nicht auflösen kann, dann manifestieren sie sich irgendwann in körperlichen Beschwerden.

Diese körperlichen Beschwerden können einen direkten Bezug zum psychischen Konflikt haben. Jemand der sich permanent für andere verbiegt oder sich zu viel auflädt, bekommt beispielsweise Rückenschmerzen. Jemand, der die Stimme des Herzens ständig ignoriert oder sich herzlos gegenüber anderen verhält, bekommt Herzprobleme usw. In extremen Fällen kann es sich um sehr ernste, chronische und sogar lebensbedrohliche Krankheiten handeln. Diese können erst heilen, wenn der zugrunde liegende psychische Konflikt bearbeitet und aufgelöst wird.

Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen gehen mittlerweile davon aus, dass bis zu 95 Prozent aller Krankheiten auf emotionale Altlasten zurückzuführen sind. Das bedeutet, dass schwierige, unangenehme, mitunter auch überwältigende Emotionen solange unterdrückt und innerlich abgewehrt werden, bis sie sich in Krankheiten verwandeln, da es kein anderes Ventil für die angestaute Energie in unserem Inneren gibt.

Mehr dazu findest du in diesem Artikel: Wie wir unsere Gefühle unterdrücken

8. Kompensation: Überbetonung eines anderen Lebensbereiches 

Bei diesem Abwehrmechanismus werden Defizite in einem bestimmten Lebensbereich oder in Bezug auf die eigene Person ausgeglichen, indem ein anderer Bereich oder eine bestimmte Eigenschaft überbetont wird. 

So kann sich beispielsweise eine Frau, die in der Liebe kein Glück hat und keine gelingenden Beziehungen führt, komplett auf ihre Karriere fokussieren. Indem sie all ihre Energie und Zeit in die Arbeit steckt, verdrängt sie den Schmerz über die misslungenen Partnerschaften. 

Ein Mann, der sich anderen gegenüber intellektuell unterlegen fühlt, kann seinen gesamten Fokus auf den eigenen Körper richten und jeden Tag mehrere Stunden im Fitnessstudio trainieren. Indem er für eine körperliche Überlegenheit anderen gegenüber sorgt, muss er den Schmerz über die intellektuelle Unterlegenheit nicht mehr so stark spüren.

9. Regression: Rückkehr in die Kindheit

Bei der Regression fallen wir aufgrund psychisch nicht aushaltbarer Konflikte auf eine frühkindliche Entwicklungsstufe zurück und damit auch auf Bedürfnisse und Verhaltensweisen, die dem tatsächlichen Alter nicht entsprechen.

Ein Beispiel dafür ist ein Schulkind, das bei der Geburt eines Geschwisters wieder beginnt, nachts einzunässen. Oder auch eine Frau, die sich bei Liebeskummer von ihrer besten Freundin umsorgen und „bemuttern“ lässt. Probleme tauchen dabei vor allem dann auf, wenn wir zu lange auf dieser Entwicklungsstufe verharren oder keine gesunden, direkten Wege finden, uns diese frühkindlichen Bedürfnisse zu erfüllen bzw. erfüllen zu lassen.

Foto: Yoann Boyer

10. Idealisierung & Abwertung

Bei der Idealisierung stellen wir einen anderen Menschen auf ein Podest, um uns dadurch selbst besser zu fühlen. Das kann verschiedene Gründe haben und unterschiedliche innere Konflikte abwehren. Wir können beispielsweise unsere Therapeutin, Ärztin oder eine spirituelle Lehrerin idealisieren und dann darauf hoffen, dass diese uns von unserem Leid erlösen wird. Wir können unseren Partner idealisieren und uns dadurch von den Problemen in unserem Leben ablenken. Mit dem perfekten Partner an der Seite ist schließlich alles halb so schlimm.

Ein ähnlicher Mechanismus ist die Abwertung. Wir fühlen uns selbst besser, wenn wir andere Menschen, deren Leistungen oder Beziehungen abwerten. Dadurch fühlen sich die eigenen Mängel und Probleme weniger schlimm an.

Hier wäre es wichtig, eigene Schwächen, Konflikte und Probleme anzuerkennen und bewusst daran zu arbeiten, anstatt sie durch Idealisierung oder Abwertung anderer Menschen zu verdrängen und abzuwehren.

11. Reaktionsbildung: Verkehrung ins Gegenteil  

Bei diesem interessanten Abwehrmechanismen werden nicht akzeptierte Gefühle, innere Regungen und Einstellungen in ihr Gegenteil verkehrt.

Jemand, der heimlich in die Frau seines besten Freundes verliebt ist, bringt beispielsweise offene Ablehnung dieser Frau gegenüber zum Ausdruck, da er sich die wahren Gefühle nicht eingestehen möchte. Genauso gut kann es sein, dass der übertriebenen Fürsorge einer Mutter eine latente Ablehnung gegenüber dem Kind zugrunde liegt. Jemand, der gelernt hat, das Faulheit schlecht ist, kaschiert die eigene Faulheit durch übertriebene Geschäftigkeit etc. 

Auch hier ist es wichtig, sich die wahren Gefühle und Empfindungen einzugestehen und sie zu verarbeiten, anstatt sie durch die Verkehrung ins Gegenteil ständig zu verdrängen und abzuwehren.

12. Affekt-Isolierung: Abspaltung der Gefühle

Hierbei werden unerwünschte und schwierige Gefühle vom Erlebten getrennt und abgespalten. Der Inhalt kann dann später vollkommen emotionslos wiedergeben werden. Dadurch können manche Menschen beispielsweise völlig emotionslos über extrem verstörende Kindheitserfahrungen und andere Extremsituationen berichten. Das Ereignis wird dann zwar nicht vergessen wie bei der Verdrängung, aber ohne die entsprechende Emotion abgespeichert. 

Die sehr heftigen, abgespaltenen Emotionen werden aber trotzdem immer wieder in unser Bewusstsein drängen und nach Re-Integration streben. Das wird dann als sehr bedrohlich empfunden, da die Wucht der Emotion unerklärlich scheint. Hier ist es wichtig, sich die verdrängten Emotionen wieder bewusst zu machen und sie in einem sicheren Rahmen erneut zu durchfühlen, damit sich die feststeckende Energie aus unserem System befreien kann. 

Fazit

Abwehrmechanismen sind keine Strategien, die wir bewusst wählen, um uns das Leben zu erleichtern. Es sind meist völlig unbewusste Mechanismen, die wir schon sehr früh entwicklen mussten, um in der derzeitigen Gesellschaft überleben zu können. Im Erwachsenenalter laufen sie meist vollkommen automatisch ab.

In gewissen Situationen sind diese inneren Mechanismen nützlich und hilfreich. Wenn sie jedoch Überhand gewinnen, wir einen bestimmten Abwehrmechanismus überbetonen und überhaupt keinen Weg mehr finden, mit schwierigen Emotionen und inneren Spannungen umzugehen, werden sie zu einem großen Problem. Nicht zuletzt halten sie uns davon ab, unser wahres authentisches Selbst zu leben und mit unserem wahren Sein in Kontakt zu kommen. 

Der erste wichtige Schritt, um diese unbewussten, automatisch ablaufenden Mechanismen aufzulösen, ist, sie sich überhaupt erstmal bewusst zu machen. Dann können wir nach Wegen und Strategien suchen, auf gesündere, konstruktive Weise mit inneren Konflikten, Spannungen und schwierigen Emotionen umzugehen. Das ist enorm wichtig, wenn wir über alte Limitierungen hinauswachsen, innerlich heilen und in unsere wahre Kraft finden wollen.

Kaffee spendieren

Hat dir der Artikel gefallen oder sogar weiter geholfen? Dann hast du hier die Möglichkeit, mir einen symbolischen Kaffee (oder lieber Tee 😉 ) zu spendieren und so meine Arbeit zu unterstützen. Ich danke dir von Herzen! ❤

Julia einen Kaffee spendieren

Online-Kurs: Heile das Kind in dir

Ganz egal wie alt du bist, in dir lebt das Kind, das du einmal warst. Das innere Kind steht symbolisch für alle im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der Kindheit, wovon die meisten unbewusst sind. Es ist eine Metapher dafür, dass jede Psyche stark von der eigenen Kindheit geprägt ist.

Kaum etwas ist so heilsam wie der Kontakt zu deinem inneren Kind. Wenn du dich um die alten Wunden kümmerst, findest du deinen Weg zurück zu tiefer Selbstliebe, Gelassenheit, innerer und äußerer Verbundenheit, Lebensfreude, Authentizität und einem Leben in der Fülle. Wenn du dagegen nicht im Kontakt bist, erlebst du innere und äußere Einsamkeit, sabotierst dich immer wieder selbst und hast Schwierigkeiten, erfüllende Beziehungen zu führen.

Komm mit auf eine Reise zurück zu deinem wahren Selbst und einem erfüllten, authentischen Leben. Erkenne deinen wahren Wert, lerne mit herausfordernden Situationen und Emotionen umzugehen und begegne dir selbst auf liebevolle Weise. In diesem Kurs lernst du unter anderem, dich selbst mehr zu lieben und besser zu verstehen, dir deine Bedürfnisse zu erfüllen, gesündere Beziehungen zu führen, dem Alltagsstress gelassener zu begegnen und vieles mehr… Hier findest du alle Infos zum Online-Kurs sowie meine Coaching-Angebote: 

Zum Kurs

Newsletter und Gratis-Ebook

Melde dich für den Roadheart-Newsletter an und werde immer über aktuelle Beiträge informiert. Als Dankeschön erhältst du mein E-Book “Wozu bin ich hier? Die eigene Lebensaufgabe entdecken und leben” gratis in dein Postfach.

Für den Newsletter anmelden

Folge mir auch gern auf Facebook, Instagram, Pinterest oder Telegram.

21-Tage-Challenges

21 Tage dauert es im Schnitt, um eine neue Gewohnheit zu etablieren. Auch wenn das nur ein Richtwert ist und der Zeitraum je nach Gewohnheit und Person variieren kann, ist es unglaublich effektiv, sich drei Wochen lang intensiv einem Thema zu widmen, um die eigenen Lebensumstände und Gewohnheiten zu verbessern.

Zu den Challenges

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*